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	<title>Daniel Morawek &#187; Serbien</title>
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	<description>Autor &#38; Filmemacher</description>
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		<title>Balkan: Küstendorf</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Sep 2006 13:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Balkan]]></category>
		<category><![CDATA[Kusturica]]></category>
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		<description><![CDATA[Zwischen Ethno-Kunst und Alpen-Punk - ein Besuch in dem persönlichen Dorf von Filmregisseur Emir Kusturica. <a href="http://www.danielmorawek.de/2006/09/11/kustendorf/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-style:italic;"><br />
</span></p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 277px"><a href="http://photos1.blogger.com/blogger/4105/1577/1600/nase01.jpg"><img style="border: 0pt none; margin: 0pt auto 10px; display: block; text-align: center; cursor: pointer;" src="http://photos1.blogger.com/blogger/4105/1577/400/nase01.jpg" border="0" alt="" width="267" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">Kunst</p></div>
<p>Vor ein paar Jahren hat Kultregisseur Emir Kusturica einen Film mit dem Titel „Das Leben ist ein Wunder“ gedreht. In dem Film versucht ein ebenso gutmütiger wie gutgläubiger Hauptcharakter, eine Eisenbahnstrecke samt Eisenbahn in den bosnischen Bergen, direkt an der serbischen Grenze zu renovieren, um eine Touristenattraktion zu schaffen. Leider hat er seine Rechnung ohne den ausbrechenden Bosnienkrieg gemacht, der wenig später ausbrach – statt Touristen wurden schließlich Kanonen auf den Schienen befördert.<br />
Für die Dreharbeiten fand man ein idyllisches Örtchen in Serbien, tatsächlich direkt an der bosnischen Grenze gelegen, in dem es eine alte stillgelegte Eisenbahnstrecke direkt durch die Berge gab. Man schaffte eine alte Lok inklusive passender Waggons an, renovierte und baute einige Häuser für den Film und begann zu drehen.</p>
<p><span id="more-22"></span></p>
<p>Doch damit nicht genug. Nachdem sein eigenes Heimatdorf im Krieg zerstört wurde, und von der Vision getrieben, tatsächlich zu beweisen, dass Tourismus auch in Serbien/Bosnien möglich ist, ließ Kusturica in der Nähe der Bahnstrecke ein Museumsdorf erbauen, indem man bewundern kann, wie die Menschen auf dem Balkan vor 200 Jahren gelebt haben. Die Idee, Museumsdörfer zu bauen, ist an sich nicht neu (lediglich in Serbien und Bosnien). Aber dann gibt es da ja auch noch die Eisenbahn, die mittlerweile in der Tat als Touristenmagnet täglich mehrmals fährt – vorbei an den Schauplätzen des Films.</p>
<p>Emir, der Mann, der in Serbien so bekannt ist wie der Präsident (und wahrscheinlich sogar mehr Anhänger hat), hat es also geschafft. Nicht nur, dass er Filme dreht, die ganze Nationen zu begeistern vermögen – er hat auch die erste Touristenattraktion nach Kriegsende geschaffen. Dabei fragen sich viele Landsleute, wie er das denn nun gemacht hat – normalerweise verhindert nämlich die Korruption jegliche Investitionsversuche. Will zum Beispiel jemand ein neues Einkaufszentrum in Bosnien bauen, so wird in aller Regel die Lokalpolitik die nötigen Bestechungsgelder einfordern. Investoren aus dem Ausland werden davon natürlich in aller Regel abgeschreckt. Manchmal entsteht das Einkaufszentrum dann aber einfach ein paar Ortschaften weiter – dort wo weniger Schmiergeld verlangt wurde. Obwohl es keinen Grund zur Annahme gibt, dass solche Geschäfte in Serbien anders laufen als in Bosnien, hat Kusturica sein Projekt durchgebracht.</p>
<p>An einem etwas verregneten Tag inspizieren wir das Dorf, das offiziell Küstendorf heißt (ja, auf Deutsch), was im ersten Moment als ein etwas absurder Name für einen Ort mitten in den Bergen erscheint, in Wirklichkeit aber nur „Kusturicas Dorf“ bedeuten soll. Wir fahren zwei Stunden mit der Eisenbahn, die sogar mit einem alten Ofen geheizt wird. Leider verstehen wir von der Bandansage, die durch die (modernen) Lautsprecher eingespielt wird, nicht sonderlich viel, da sie von dem Lärm der Lok übertönt wird. Eine kleine Geschichte will mein Schwager aber trotzdem ungefähr aufgeschnappt haben: Als die Bahnstrecke gebaut wurde, zahlte der Herrscher die Arbeiter an jedem Wochenende aus. Dann bestellte er eine Bauchtänzerin, die den Streckenarbeitern den Lohn wieder abluchste. In der nächsten Woche bezahlte der Fürst wieder mit demselben Geld. Eine frühe Form staatlich geförderter Prostitution.</p>
<p>Im Dorf selbst sehen wir uns einen Kurzfilm im Kino an, spenden ein paar Cent in der kleinen Kirche, trinken einen Tee und werden von einer jungen Katze regelrecht verfolgt. Selbst eine kleine Galerie gibt es, bewacht von der Skulptur eines in der Nase bohrenden Soldaten mit verrostetem Helm.</p>
<p>Zu guter Letzt dann tatsächlich der große Meister und alte Punker, der mit seinem VW-Caravan mit französischem Nummernschild angefahren kommt, als wir gerade zurück zum Parkplatz gehen. Unrasiert und ungekämmt setzt er seine Füße (die nur von Biolatschen bekleidet werden) auf den matschigen Boden seines Dorfes. Mein Schwager wird später auf der Rückfahrt über diesen Anblick sagen „Kusturica sieht aus wie ich beim Holzhacken“ – dennoch, er wird von einer Aura umstrahlt, der man sich nur schwer entziehen kann. Mit zitternden Knien, ins Teenager-Alter zurückversetzt, stehen wir an unserem Auto und träumen von einer Zeit, in der wir auch einmal bekannte Künstler werden, die das bodenständige Holzfäller-Flair nicht verloren haben&#8230;</p>
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		<title>Balkan: Mein erster Tag in Belgrad</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Aug 2006 13:28:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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		<description><![CDATA[Wo fallen Eiswürfel vom Himmel wenn die NATO bombadiert und wo wird »Sex and the city« am städtischen Sandstrand zelebriert? In der weißen Stadt – Belgrad. <a href="http://www.danielmorawek.de/2006/08/27/mein-erster-tag-in-belgrad/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein erster Aufenthalt in der serbischen Hauptstadt währt erst einmal nur kurz. Vorbei an einem Zwillingsturm-Hochhaus, das aufgrund seiner Architektur die „Tür nach Belgrad“ genannt wird, und dass spätestens seit dem Fall des Sozialismus nicht mehr renoviert wurde (wahrscheinlich aber noch länger), tauchen wir in den metropolen Berufsverkehr ein. Unglücklicherweise führt eine Bundesstraße direkt durch die Stadt hindurch, und deshalb müssen auch wir uns hier durchquälen, obwohl wir gar nicht als erstes in die Stadt wollen, sondern vorher noch einen Onkel mitsamt der dazugehörigen Tante und deren Tochter Olja und ihren Mann Ivan in einem kleinen Vorort am Rande des Molochs besuchen wollen.</p>
<p>Nach etwas Suchen finden wir tatsächlich zu dem Haus des Onkels und werden stürmisch begrüßt – auch wenn ich bereits nach dem ersten Glas Whiskey kapituliere. Nach ein, zwei oder auch drei Stunden Konverstation serviert uns die Tante ein Mittagessen, das mehr als reichlich ist, allerdings ohne Fett gebraten wurde, da gerade Fastenzeit ist in der keine tierischen Stoffe gegessen werden. Das Fehlen des Fettes stört zwar eigentlich niemanden, der Tante ist es aber doch so unangenehm, dass sie, als wir das Essen loben, erklärt, dass wenn das ein lobenswertes Essen gewesen sei, sie dann Elizabeth Taylor wäre.</p>
<p><span id="more-20"></span></p>
<p>Es folgen noch einmal ein oder zwei Stunden Konversation und ich habe immer noch nichts von Belgrad gesehen außer ein paar Asphaltschluchten im Morgengrauen. Endlich zeigen uns Ivan und Olja, die beide Künstler sind, ihr Atelier im Dachgeschoss des Hauses. Durch das große Fenster sieht man ganz links die ersten Ausläufer der Stadt und wenn man geradeaus sieht eine bezaubernde Hügellandschaft. Ivan weißt uns auf einen weißen Gebäudekomplex hin, der auf einem der Hügel ganz in der Nähe zu sehen ist. Bis zur Nato-Bombardierung 1999 wusste niemand der Anwohner, dass es sich um einen Armeestützpunkt handelt. Als dann die Bomben fielen war es leider nicht mehr zu übersehen. Die Landschaft die man durch das Fenster sieht, ist übrigens auch die selbe Landschaft, die Ivan einst porträtierte und danach Tee über das Gemälde schüttete. Das inspiriete seinen Vater, Milorad Pavic, dazu den Roman an dem er damals gerade arbeitete „Landschaft in Tee gemalt“ zu betiteln. Das besudelte Gemälde ziert nun auch das Titelbild des Buches (Milorad Pavic ist übrigens der bekannteste lebende serbische Schriftsteller, bereits einmal für den Nobelpreis nominiert und in etliche Sprachen, natürlich auch Deutsch, übersetzt).</p>
<p>Auch das Haus des Onkels hat einen Schaden bei den Bombardements abbekommen – durch einen herunterfallenden Eisblock. Ganz genau verstanden habe ich allerdings nicht warum die Nato mit Eisblöcken schmeißt. Um kleinere Schäden an zivilen Einrichtungen  zu verursachen und dadurch die Moral der Bevölkerung zu untergraben?</p>
<p>Am fortgeschrittenen Nachmittag fahren wir dann doch noch in die Stadt, zusammen mit dem gesamten Familien-Clan. Leider kann die Tante aufgrund ihrer dreiundsiebzig Jahre nicht mehr allzu viel laufen, deshalb fahren wir an den Stadtstrand um diesen mit einem Touristenzug zu umrunden. Der Stadtstrand in Belgrad ist ein großer See, der aber kein stehendes Gewässer ist, sondern vielmehr durch den Fluss „Save“ (die ja in Belgrad in die Donau fließt) entsteht. Wie genau das vor sich geht habe ich leider auch nicht verstanden.<br />
So steigen wir in den Zug ein (dessen Lokomotive eigentlich einmal ein Traktor war) und beginnen die Runde um den See. Der Lokführer/Traktorfahrer ist ein sympathischer Biertrinker im Rentenalter. Die Fahrt führt zuerst vorbei an Tennisplätzen und Basketballplätzen die  Jedermann kostenlos nutzen kann. Dass sei das „große serbische Herz“ wie man uns versichert. Danach geht es vorbei an mehreren Dutzend Strandcafes, und erst jetzt wird uns klar, dass es hier tatsächlich mehrere Kilometer Sandstrand zur freien Verfügung gibt. Auf die etlichen Cafes und Bars werde ich nicht im Detail eingehen, nur zwei möchte ich aus der großen Auswahl hervorheben: eine McDonalds-Filiale in einer kleinen Waldhütte, die so auch im Yellowstone Nationalpark stehen könnte und eine Bar mit dem Namen „Sex i Grad“ in deren Mitte zwei Himmelbetten stehen, umringt von den normalen Stühlen. „Sex i Grad“ heißt übrigens „Sex und Stadt“ oder auch „Sex and the city“.<br />
Die Sonne neigt sich langsam und färbt die Menschen und die Stadt in ein goldgelbes Licht, während wir unsere Traktorrunde vollenden, aussteigen und zurück zum Parkplatz laufen, auf dem das Parken auf unbegrenzte Zeit 60 Dinare (75 Cent) kostet. Später am Abend werden wir noch eine Runde durch die Innenstadt laufen (ohne die Familie) und uns wundern, dass in Belgrad rund um die Uhr wahre Menschenmassen unterwegs sind (mit Sicherheit mehr als in deutschen Großstädten) – aber dass ist eben einfach so.</p>
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