Die Karl-May-Verschwörung

Der Meister in Posse

Ich mag Verschwörungstheorien. Verschwörungstheorien decken auf, was die Menschen wirklich glauben, ihre lustigsten Fantasien und natürlich vereinfachen sie komplizierte Sachverhalte auf eine simple Theorie, die jeder verstehen kann.

Der Drang der Menschen nach einer Einteilung der Welt in »schwarz und weiß«, in »gut und böse« wird dabei sichtbar; denn entweder wird bei einer Verschwörungstheorie eine Person oder eine Personengruppe als »ultimativ böse« oder aber eine Person als »unsterblicher Held« ikonisiert. Letzteres geschieht zum Beispiel bei der »Karl-May-Verschwörung«, die mir gestern als Nebenprodukt in einem Recherchegespräch für meinen nächsten Tatsachenroman präsentiert wurde.

Das Grundmotiv der Theorie geht davon aus, dass Karl May von seinem 4-jährigen Gefängnisaufenthalt in Wirklichkeit nur wenige Wochen abgesessen hat. Nach Aussage des Verschwörungstheoretikers wäre Karl May ja schließlich nur wegen Diebstahls von zwei Kerzenstummeln verurteilt worden. In den fehlenden dreieinhalb Jahren seines Lebenslaufes wäre May nach Amerika gereist, was den Detailreichtum seiner Werke erkläre. Das Wissen um diese Reise würde »man« angeblich kategorisch vertuschen und May stattdessen Schizophrenie als Quelle seiner Inspirationen vorwerfen …

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