In zehn Schritten zur perfekten Intrige

Immer noch arbeite ich an meinem Roman. Die Osterruhe macht sich gut um ein wenig in Sekundärlitertur zu blättern. Die letzten Tagen war das bei mir “Gebrauchsanweisung für Sizilien”, was ganz nett war (vom Informationsgehalt) und zum Glück bestätigt hat, das die Schilderungen der Palermitanischen Infrastruktur die ich in meinem Roman abgebe ganz gut mit der Realität übereinstimmen – schließlich habe ich Palermo noch nie zu Fuß erkundet, sondern immer nur vom Auto aus gesehen (von den Erlebnissen bei der Suche nach der richtigen Autobahnauffahrt in Palermo habe ich dafür an diesen Blog-Eintrag ein von mir selbst belichtetes Foto angehängt – für die visuellen Reize der Leser).

In dem Hitchcock-Interview-Buch von (und mit) Truffaut habe ich danach die Kapitel zu den Hitchcock-Filmen durchgelesen, die ich in den letzten Wochen gesehen habe: Der unsichtbare Dritte, Über den Dächern von Nizza, Das Rettungsboot und Immer Ärger mit Harry.

Mein Lieblingsbuch dieser Tage aber ist “Die Intrige” von Peter von Matt. Ein Sachbuch zu Theorie und Praxis der Hinterlist (in der Literatur und dem Drama). Man darf gespannt sein wie sich die Verinnerlichung dieser Lektüre auf das Schreiben meines Romans auswirkt…

Irgendwann doch noch Bergfest?

Erreiche in ein paar Seiten die Mitte meines Manuskriptes, oder vielleicht ja auch die Bergspitze!? Dementsprechend wundert es mich auch nicht, dass meine Inspiration in den letzten zwei Tagen ziemlich aus der Puste war.

An manchen Weggabelungen bin ich sogar rückwärts gegangen, habe Kleinigkeiten eingefügt, zum Beispiel die Audiokassette mit den schönsten Liedern von Caruso die der Killer Gaetano im Auto anhört. Er hat sich ja vorher auch schon für Umweltschutz eingesetzt und Interesse an historischen Bauten gezeigt – natürlich konnte er auch vor Caruso nicht halt machen. Schließlich hat er die Kassette mit 15 Jahren auf einen Flohmarkt in Neapel gekauft, mit ein paar Lire, die er in der Schule beim Kartenspielen gewonnen hat (gut, ich gebe zu – so genau habe ich die Geschichte der Kassette dann doch nicht erklärt im Manuskript, das ist einfach nur die Back-Story die ich brauche um das Innere der MC besser zu verstehen ;o) ).

Aber damit für heute genug von der Story ausgeplaudert. Werde jetzt mal die Pause beenden, aufbrechen, weiterlaufen – vielleicht erreiche ich den Gipfel ja doch noch irgendwann…

Ein Tag im Leben eines Filmautors

Viele Menschen fragen sich wahrscheinlich wie der Alltag eines Filmautors aussieht und natürlich auch: »Was ist denn überhaupt ein Filmautor?« Zu recht.
Zumindest auf die erste Frage gibt es hier nun eine Antwort:

00.01 Uhr Habe mich ins Bett gelegt, da ich weiß, dass ich bereits um 8.00 Uhr wieder aufstehen muss. Heute findet schließlich die große Jubiläumsfeier der Individualhilfe Heidelberg statt, bei der mein Dokumentarfilm »Der Grenzübergang« uraufgeführt wird. Leider habe ich die letzten fünf Nächte in Folge nachts kaum schlafen können – bin mir aber sicher, dass ich es jetzt schaffe einzuschlafen, wenn ich mir nur genug Mühe gebe.
01.00 Uhr Kann nicht einschlafen, ziehe deshalb aus dem Bett um – auf die Couch – weil ich auf Sofas in der Regel besser schlafen kann.
02.00 Uhr Werde immer wacher von dem ewigen rumliegen, mittlerweile kann ich noch nicht mal mehr meine Augen geschlossen halten. Stehe deshalb auf um an meinem Roman weiterzuschreiben.
05.00 Uhr Irgendwie klappt es jetzt doch mit dem Schlafen.
08.00 Uhr Wecker klingelt! Die Welt kann so grausam sein.
09.15 Uhr Ankunft in Heidelberg, Technik für Filmvorführung vorbereiten.
11.00 Uhr Die Jubiläumsfeier nimmt ihren Lauf.
13.30 Uhr Tossender Applaus für den Film. Verstehe nicht wieso – wahrscheinlich habe ich den Film im Schnittraum aber einfach zu oft gesehen, um noch bewerten zu können ob er gut oder schlecht oder gar langweilig ist. Das Publikum ist jedenfalls begeistert, na dann…
15.00 Uhr Endlich schlafen legen!
17.00 Uhr E-Mails beantworten.
18.00 Uhr Wann habe ich eigentlich das letzte Mal geduscht? Da mir keine passende Antwort einfällt, sofort in die Badewanne legen!
19.00 Uhr Noch schnell vor Ladenschluss zum Supermarkt um Rotwein zu kaufen – vielleicht lässt sich damit die Inspiration zum Schreiben zu steigern.
20.00 Uhr Zurückziehen mit Spex Heft-CD und Spex DVD und von einer Welt träumen, in der Künstler von ihrer Kunst leben können.
23.00 Uhr Endlich am Computer zum Schreiben. Stelle fest, dass ich in den letzten Tagen mit dem Roman besser vorangekommen bin als ich dachte. Zur Belohnung gönne ich mir erst einmal einen Blog-Eintrag.

Hey, hey Wiki

Im Jahre 2006 n. Chr. gibt es wirklich fantastische Recherchemöglichkeiten für Autoren (ja – das muss man dem Internet wenigstens lassen). So habe ich heute zum Beispiel bei Wikipedia einen Eintrag über das sizilianische Dorf »Cattolica Eraclea« gefunden – eben dieses Städtchen, das mir in meinem Roman für den Ort der Haupthandlung Pate steht. Nun gut – es ist ja nicht so, dass ich nicht bereits dreimal dort gewesen wäre und ebenso oft dort gedreht hätte (z.B. auch die Schluss-Szene von »Los Delinquentes«) aber woher konnte ich ahnen, dass man dort auch in der Steinsalzgewinnung arbeiten kann, oder dass der Namenszusatz »Eraclea« im Ortsnamen an die historische Stadt »Eralcea Minoa« erinnert (so etwas erzählt mir sonst ja keiner)?

Bei weiteren Nachforschungen habe ich dann gesehen, dass Andrea Camilleri aus dem benachbarten »Porto Empedocle« stammt. Auch nicht schlecht. Deswegen heißt der Ort seit April 2003 auch offiziell »Porto Empedocle Vigàta«, nach dem fiktiven Ort »Vigàta« in dem die Romane von Camilleri spielen. Und dabei hat man mir noch im Sommer 2004, als ich dort war, erzählt ich wäre in »Port Empodocle« ohne »Vigàta«, ts ts ts…

Als ich dann noch tiefer in den Dschungel der Autorenbiographien eintauchte, musste ich bemerken, dass Alberto Moravia, den ich immer für einen Nach-Namensvetter hielt (Morivia ist im Lateinischen das selbe, was Morawek anderen Orts ist), mit Geburtsnamen Alberto Pincherle hieß… Na so was!
Aber ich heiße immer noch wirklich so :o)
Wie er ausgerechnet auf diesen Nachnamen gekommen kann ich bei Wikipedia leider nicht herausfinden.

Manche Fragen kann eben noch nicht einmal das Internet beantworten.

Vergiß es bloss nicht wieder…

Nun, wie sich mittlerweile rumgesprochen haben wird, arbeite ich momentan an meinem Debütroman. Und auch wenn die Vorlage für die Geschichte schon existiert (der Film “Caffè della Vita”) bleibt das umbauen zur geschriebenen Form, leider immer noch das was Schreiben eben ist: Arbeit!

Heute war dann wieder einmal einer dieser Tage, den alle Schreibenden nur zu gut kennen. Drei Stunden lang im Kreis durch die Wohnung, nur um nicht mit dem Tippen anfangen zu müssen. Ich wollte es gerade komplett aufgeben und stattdessen einen langweiligen Film gucken oder über die Bedeutung der Blattlaus in der regionalen Vegetation philosophieren, als mir folgender Text von Adrian Plass in den Sinn kam, den ich vor ein paar Tagen gelesen hatte:

“Ein Problem, das besonders mit der regelmäßigen Produktion von Büchern und mit mir persönlich zu tun hat, ist die Tatsache, daß mein Selbstvertrauen meistens zwischen dem Abschluß eines Buches und dem Beginn des nächsten eine dramatische Talfahrt vollführt. Es hat Momente gegeben, in denen ich schlichtweg nicht begreifen konnte, wie es mir je gelingen konnte, irgend etwas zu schreiben. In solchen Momenten scheint es mir, als müsse jemand anderes all die Bücher geschrieben haben, die neben mir auf dem Regal stehen. Überzeugt, daß es mit meiner Laufbahn vorbei ist, sitze ich trübsinnig vor meinem Computerbildschirm und überlege, was sie auf dem Arbeitsamt wohl gerade so anzubieten haben. Nur um der alten Zeiten willen tippe ich träge ein paar Worte ein. Diese führen zu ein paar weiteren Worten. Diese weiteren Worte haben etwas an sich, das mich fast gegen meinen Willen interessiert. Ich beuge mich vor, meine Finger schweben erwartungsvoll über der Tastatur, die Vision des Arbeitsamtes verschwindet in der Ferne. Ich beginne zu tippen. Ich schreibe wieder.”

Schließlich entschloss ich mich wenigstens einen Satz zu schreiben. Nur einen Satz – der würde zumindest mein Gewissen etwas beruhigen. Aus einem Satz wurden auf einmal eine Menge Sätze, Seiten, sogar ein komplettes Kapitel – und am Ende des Tages die Realisation, dass ich wieder einmal (so wie auch die Tage zuvor) gut vorangekommen bin. Hoffe vergesse ich das bis Morgen Vormittag nicht wieder…

[Textzitat aus "Adrians Briefe von der Insel - Teil 1" erschienen am 26.01.1998 in "dran"]

Identitätsfindung interaktiver Künstlerpersönlichkeiten

Lieber Blogleser,

endlich ist es soweit! Nach ca. sechs Jahren “littlejeremy.de” ziehe ich nun endlich um – auf eine Domain die meinen eigenen eigentlichen Namen trägt: danielmorawek.de

Das hat, wie alles auf der Welt, seine Gründe. Unter anderem hatte ich es einfach satt über schlechte Handyverbindung die Webadresse zu buchstabieren.
“Little? So wie englisch klein?” “Yup.” “Aha. Und was soll das jetzt bedeuten, Little Jeremy?”
Nun, um diese Frage ein für alle Mal zu beantworten: Little Jeremy Productions war der Fantasieproduktionsfirmenname (langes Wort!) den ich in meinen ersten beiden Filmen, “Los Delinquentes” und “Der Pfad des Drachen”, als Produzent angegeben hatte. Aus dieser Zeit also der Domainname, der mittlerweile schon lange keine Bedeutung mehr hatte.

Warum ich früher noch nicht auf die Idee gekommen bin mir danielmorawek.de zu reservieren? Interessante Frage. Wahrscheinlich hängt es mit dem Selbstfindungsprozess zusammen, den man als Künstlerpersönlichkeit früher oder später zu bewältigen hat. Sich hinter irgendwelchen Fantasiekonstrukten zu verstecken ist eben manchmal leichter…

danielmorawek.de