Leitfaden zur sakralen Bedrängnisgymnastik

Die Lithurgie in einem orthodoxen Gottesdienst ist für einen Anfänger nicht leicht zu verstehen – am besten Sie versuchen es gar nicht. Ehrlich. Natürlich könnte man den Aufbau ohne Probleme im Internet nachlesen und dabei erfahren, dass der Gottesdienst aus drei Hauptteilen besteht, die wiederum in jeweils drei bzw. vier Teile untergliedert sind, die nochmals aus bis zu neun einzelnen Handlungsabläufen bestehen. Wussten Sie zum Beispiel, dass nach dem “Vater Unser” noch das “Hauptneigungsgebet” gesprochen wird, noch vor der Kommunion der Zelebranten und dem Antidoron? Nein wirklich, vergessen Sie es.

Sehen Sie den Gottesdienst lieber als sportliche Disziplin. Dann tun Sie wenigstens etwas für Ihre körperliche Gesundheit. Ich nenne es liebevoll “die sakrale Bedrängnisgymnastik”. Lassen Sie mich Ihnen kurz die Regeln erklären:

1.) Jeder Teilnehmer hat zu Beginn des Wettbewerbs ein 1/4 Quadratmeter großes Stück Bodenfläche als Standort zu wählen. Diese Position darf während des gesamten Wettkampfes nicht verlassen werden. Sitzgelegenheiten sind nicht zulässig.

2.) Der Wettkampf dauert 90 Minuten. Wer sich als erster hinsetzt oder das Gebäude verlässt, hat verloren.

Hört sich gar nicht so kompliziert an, sagen Sie? Ist es eigentlich auch nicht. Ich habe ein paar einfache Tipps für Sie zusammengestellt, mit denen der Sieg sicher ist:

a.) Achtung! Gefahr! Der Einsatz von Weihrauch fällt nicht unter das Dopingverbot. Vielmehr ist es so, dass der Schiedsrichter die entstehenden Dämpfe gezielt einsetzt, um Ihre Standfestigkeit zu prüfen. Wird Ihnen schwarz vor Augen, reißen Sie sich zusammen. Fallen Sie nicht in Ohnmacht, so haben Sie schon so gut wie gewonnen.

b.) Darüber hinaus ist es möglich, dass der Schiedsrichter versucht, Sie in eine verbale Hinterlist zu locken. Fallen Sie nicht auf Aussagen wie “Sie können sich nun hinsetzen” herein. Abgesehen davon – es gibt sowieso keine Stühle (siehe Regel 1).

c.) In der Halbzeit wird ein Chor auftreten, um Ihre Moral zu zerstören. Der fiese Trick dahinter ist, dass die einzelnen Sänger zwar gar nicht so schlecht singen, allerdings intoniert jeder von ihnen ein anderes Lied – und das zur selben Zeit. Das Ergebnis hört sich an wie ein Rudel betrunkener Katzen im Schleudergang. Doch ein Profi wie Sie wird sich davon nicht in die Knie zwingen lassen. Denken Sie immer daran – das ist Ihre Gelegenheit zu zeigen, dass Sie aus hartem Holz geschnitzt sind. Konzentrieren Sie sich auf die Schuhabsätze Ihres Vordermanns und denken Sie an etwas Schönes – dann haben Sie es bald überstanden.

d.) Atmen Sie vor dem Wettkampf auf Reserve. Sobald sich das Spielfeld erst einmal mit Menschen gefüllt hat, werden Sie dafür dankbar sein. Bedenken Sie, wie wenig Platz Ihnen zwischen 200 Personen auf 50 Quadratmetern bleibt.

e.) Das Wichtigste, um das Match erfolgreich zu überstehen, ist allerdings die Beinarbeit. Eine typische Verschleißerscheinung ist das Schmerzen einer Schulter, nachdem man 30 Minuten regungslos dasteht. Bleiben Sie daher immer in Bewegung. Stellen Sie sich auch mal nur auf ein Bein, wippen Sie auf den Zehenspitzen vor und zurück, legen Sie die linke Hand auf die rechte Schulter und drehen sich dabei im Kreis – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Am besten trainieren Sie Ihre Wadenmuskulatur bereits vor dem Wettkampf, fahren Sie täglich 50 Kilometer mit dem Fahrrad und spurten Sie am Morgen vor dem Match das Treppenhaus eine Stunde auf und ab. Vergessen Sie nicht Ihren neuen Wahlspruch – ein starkes Bein und der Sieg ist mein!

Haben Sie die 90 Minuten überstanden, winkt Ihnen die Medaille in Form des Schlusssegens aus dem Munde des Schiedsrichters. Wundern Sie sich bitte nicht, dass das alles ist, was Sie als Anerkennung für Ihre Mühe bekommen. Die Anstrengungen, die der Schiedsrichter unternimmt, um Ihnen jegliche Eigenverantwortung im Glauben aus der Hand zu nehmen und Sie von jeglichen spirituellen Zwängen entlastet, sind schließlich auch nicht zu unterschätzen.

Denn merken Sie sich eines – selber beten ist unsportlich und nicht im Sinne des Wettkampfes!

Fernsehen verblödet…

Fernsehen verblödet. Ein Beispiel:

Neulich, zwei Uhr nachts. Das Telefon klingelt. Ich gerade mitten im Tiefschlaf. Nachdem ich erst einmal realisiert hatte, dass überhaupt irgendetwas klingelt, und bis ich dann kapiert hatte, dass es kein Wecker war, hatte das Telefon natürlich schon wieder Ruhe gegeben. Aber die Nummer eines Freundes wurde auf dem Display angezeigt! Zu Müde zum zurückrufen, also erst Mal weiter schlafen…

Am nächsten Tag ruft wieder der Freund an. Fragte ihn warum er um zwei Uhr nachts angerufen hatte.

“Ich? Angerufen? Zwei Uhr nachts? Nein … Da war ich zwar noch wach und habe irgend so eine neue doofe Serie im Kabelfernsehen geguckt aber …”

Auf einmal dämmert ihm was.

“Moment mal … Jetzt wo du es sagst … und ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, als ich im Delirium vor der Glotze saß, warum die Fernbedienung nicht funktioniert hat, obwohl ich die ganze Zeit darauf rumgedrückt hab. Dann war das ja gar nicht die Fernbedienung …”

Palermitaner? Palermer? Palmer? Palme …

Als ich vor einiger Zeit mein »Caffè della Vita« Manuskript von meiner Lektorin zurück bekommen habe, war ich doch etwas verwundert. Aus der Bezeichnung »Palermitaner«, die ich für Menschen aus Palermo gewählt habe, wurde kurzerhand »Palermer«. Palermer? Wie klingt das denn?!

Am Telefon erklärte mir meine Lektorin, dass sich der Begriff für Sie ja irgendwie auch falsch anfühle, im Duden stehe es nun Mal so. Ich darauf total verwundert, Palermitaner hatte ich schließlich aus einem bekannten Reiseführer übernommen.
Sie dann darauf, “ehrlich?” und ich “na klar…”, dann Sie “ok, dann ruf ich mal beim Dudenverlag an!”.

Sie ruft also beim Dudenverlag an, die erklären natürlich erst mal, dass das schon so sein wird wenn es im Duden so steht. Trotzdem haben sie beide Varianten einfach mal bei Google als Suchbegriff eingegen und waren verwundert, dass Palermitaner 1.200 Suchergebnisse bringt, Palermer nur 769. Als nächsten also die Empfehlung die Lektorin solle doch in Italien bei einem Club in Italien lebender Deutscher anrufen – natürlich mit der Bitte danach mit neuen Erkenntnissen nochmals beim Dudenverlag zurück zurufen.

In Italien meinte man schließlich, man würde auch Palermitaner vorschlagen, ist schließlich auch viel näher am italienischen Original: Palermitani. Damit bleiben die Palermitaner in “Caffè della Vita” also Palermitaner und der Dudenverlag will das Wort angeblich in einer der nächsten Redaktionssitzungen mal ansprechen…

Chinesische Messe im Bus nach Berlin

...

Lange keine Einträge im Blog. Viel Arbeit. Viel Streß.

Habe heute Nacht geträumt. Hatte in letzter Zeit anscheinend nicht viel Zeit meine täglichen Erlebnisse zu verarbeiten. Die letzten vier Wochen kamen nämlich schön durcheinander gewürfelt darin vor.

Als nötige Hintergrundinformationen muss ich anführen, dass:

- ich vor vier Wochen auf der Buchmesse in Frankfurt war (es hat mir keinen Spaß gemacht).

- ich vor drei Wochen in Berlin auf einer Künstlerkonferenz war. Leider hat sich mein rechtes Auge, kurz nachdem ich im Konferenzraum angekommen war, entzündet (!). Unter starken Schmerzen, leidend, musste ich danach die schlimmste U-Bahnfahrt meines Lebens absolvieren. 5mal Umsteigen, da einige Stationen wegen Umbauarbeiten gesperrt waren. Einmal sind wir sogar eine Station in die falsche Richtung gefahren …

- ich am Sonntag chinesisch Essen war

Und jetzt der Traum:

Musste gegen meinen Willen in einer fremden Wohnung in Berlin übernachten, um am nächsten Tag zu einer Messe gehen zu können, zu der ich aber gar nicht gehen wollte.

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