Welche Bücher können mit Crowdfunding Erfolg haben?

Diese Woche startet die Münchner Verlagsgruppe das Portal 100fans.de, was die Debatte über Crowdfunding für Bücher angekurbelt hat. Doch unabhängig von der Plattform: Welche Buch-Projekte sind eigentlich für eine Crowdfunding-Kampagne am vielversprechendsten? Und worauf sollte man achten?

Erfolgreiche Projekte punkten in der Regel in einem der folgenden Bereiche – meist aber kommen mehrere Erfolgsfaktoren zusammen. Bei der Aufzählung lasse ich die Beobachtungen aus anderen Kunst-Sparten mit einfließen, da es gerade in Deutschland bisher nicht viele erfolgreich vom Schwarm finanzierte Bücher gab.

Künstler, die bereits eine Fan-Base mitbringen

Ich habe dieses Jahr zweimal Projekte von Künstlern unterstützt, von denen ich entweder bereits zuvor eine CD gekauft habe oder einen Film gesehen habe. Ich bringe den Projektstartern also einen großen Vertrauensvorschuss ins fertige Produkt mit bzw. will sie als langjähriger Fan bereitwillig unterstützen. Dafür investiere ich gerne 25 Euro in eine signierte CD mit Bonustracks.

Der Video-Koch-Blog „KochDichTürkisch“ existierte schon fünf Jahre, bevor Orhan Tançgil bei startnext.de eine Kampagne gestartet hat, um ein Buch zum Blog zu finanzieren. Erfolgreich. Gerade in der Startphase hilft die vorhandene Fan-Base, um ein Projekt anzukurbeln. Schließlich unterstützt niemand ein Projekt, das sonst keine Fans hat.

Ausgefallene Projekte

Eignet sich Crowdfunding wirklich für alle künstlerischen Projekte? Die Erfahrung zeigt, dass vor allem ausgefallene Ideen Aufsehen erregen. Ein normaler Genre-Roman, der einfach nur gute Unterhaltung bietet, hat es hier sicherlich schwer, wahrgenommen zu werden.

Ein erfolgreiches deutsches Buchprojekt war z.B. das Hartz IV Möbel-Buch. Auch aktuelle Trends mit einer eingeschworenen Fangemeinde können den Coolness-Faktor eines Projekts beeinflussen. Momentan scheint so ziemlich jedes Crowdfunding zum Thema „Steampunk“ zu funktionieren. Aber Vorsicht: Trends können jederzeit umschlagen.

Das erste Buchprojekt, das ich per Schwarmfinanzierung unterstützt habe, ist „Alltagstourist“ der Werberin Eva Jung, das in diesem Moment gerade 97% der stattlichen Fördersumme von 20.000 Euro erreicht hat. Weder kannte ich die Projektstarterin zuvor, noch habe ich bis heute genau verstanden, was mich in dem „ungewöhnlichen Alltagsreisetagebuch“ erwarten wird. Aber die Präsentation war so besonders, dass es bei mir sofort Klick gemacht hat und ich mich als Supporter auf das Abenteuer eingelassen habe.

Projektstarter, die am Ball bleiben

Immer wieder höre ich von Projektstartern, dass sie unterschätzt haben, wie viel Arbeit so eine Kampagne macht. Mit einem Eintrag bei Facebook ist es nicht getan. Erfolgreiche Crowdfunder bleiben die gesamte Laufzeit der Kampagne über am Ball, machen immer wieder darauf aufmerksam, bemühen sich um Blogartikel und Presseberichte und um Fans, die die Botschaft weitertragen.

Hohe Fördersummen

Erstaunlich viele erfolgreiche Projekte haben erstaunlich wenig Unterstützer zusammengebracht. Dafür haben sie besondere Dankschöns angeboten, bei denen einige Supporter gerne bereit waren nicht nur 20 Euro sondern gleich dreistellige oder vierstellige Eurobeträge zu geben. Somit kommt man natürlich schneller zum Förderziel, als wenn man nur eBooks für 5 Euro vergibt.

Bei einem Buchprojekt könnte man beispielsweise den großzügigen Förderer als Figur in das Buch einarbeiten. Oder Wohnzimmer–Lesungen anbieten.

… klar machen, wofür Kosten anfallen

Leider  gibt es beim Crowdfunding für Bücher besondere Herausforderungen. So muss man den potentiellen Fans erst einmal klar machen, wofür das Geld benötigt wird. Schwierig wird es, wenn man den eigenen Schreibaufwand von den Unterstützern erstattet bekommen möchte. Oder noch schlimmer: Wenn man nicht klar macht, wofür das Geld eigentlich eingesetzt wird. Die Unterstützer wollen das Gefühl haben, dass sie ein großartiges Projekt ermöglichen, das sonst nicht zustande kommen würde – und von dem sie ein Teil sind.

Showing 6 comments
  • Gumpelmaier Wolfgang

    Mir fallen noch das Google+ Buch ein, das Autoimmun-Buch von Andrea Kamphuis und Dirk von Gehlens Projekt. Letzteren interviewe ich am Montag live auf http://www.ununi.tv in meinem Crowdfunding-Talk. Hier ein paar Infos dazu: http://gumpelmaier.net/2013/09/24/hangouts-fragen-beim-crowdfunding-talk-mit-dirk-von-gehlen/ – Würde mich über eine Frage von dir freuen!

  • Daniel

    Danke für den Hinweis auf den Crowdfunding-Talk! Ich habe meine Frage gerade in Deinem Blog gepostet.

    Grüße
    Daniel

  • Eva

    Hi Daniel,

    cooler Artikel, den ich eben erst gefunden habe (!) – danke für deine Unterstützung beim Alltagstourist. Und fürs Feedback auf die Präsentation. Jetzt, nachdem es finanziert, produziert und an die Supporter verschickt ist, würde mich natürlich total interessieren, ob es dir gefallen hat. Würde mich freuen über ein Feedback – wenn du magst. Gerade weil du ja nicht wusstest, „was dich erwartet“ … 🙂

    Herzliche Grüße aus Hamburg,
    Eva.

  • Daniel

    Hi Eva,

    also bei mir ist noch kein Buch angekommen 😉 Dementsprechend kann ich noch kein Feedback zum endgültigen Werk geben …

  • Eva

    Oh, das geht ja gar nicht … ich guck gleich mal nach! Alle anderen Supporter haben ihr Exemplar längst erhalten! LG, Eva.

  • Silvia

    Ein sehr interessanter Artikel zum Thema Crowdfunding. Das Interesse daran steigt ja auch hier bei uns immer weiter an. Da darf man schon sehr gespannt sein, wie sich das ganze Thema auch in Zukunft noch entwickeln wird.

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