Mit Kurzgeschichten Geld verdienen?

Alle Autoren absolvieren erste Fingerübungen beim Schreiben von Kurzgeschichten. Geübte Autoren liefern immer wieder Meisterwerke der kurzen Form ab. Doch wo veröffentlicht man Kurzgeschichten und kann man damit überhaupt etwas verdienen? Manch einer sieht in der eBook-Revolution die Chance auf eine Renaissance der Short Stories. Aber stimmt das auch? Ich habe bisher auf drei Arten mit Kurzgeschichten Umsatz erzielt, die ich Euch hier gerne vorstellen möchte.

opzioni binarie conti demo Warum mag niemand Kurzgeschichten?

Eine Weisheit der klassischen Verlagsbranche besagt, dass sich Kurzgeschichten-Sammlungen nicht verkaufen. Bereits 2007 habe ich im Büchereulen-Forum die Frage gestellt „warum sich Kurzgeschichten-Bände so schlecht verkaufen“, um der Sache aus Lesersicht auf die Schliche zu kommen. Hier ein paar Zitatschnipsel aus dem Thread:

„Mein Problem ist, dass ich bei einem Kurzgeschichten-Band auch nach Lesen des Klappentextes nicht weiß, was auf mich zukommt“

„Kaum habe ich mich in die Stimmung eingefunden, mich mit den Figuren vertraut gemacht, ist das Ganze schon wieder vorbei.“

„in einem Sammelband [sind] oft Storys unbekannter oder ungeliebter Autoren mit dabei, man kauft sozusagen mehrere Katzen im Sack“

Es gab aber auch ein paar positive Stimmen. Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass es Liebhaber der kurzen Form gibt, während viele Leser aus Prinzip nicht zu Anthologien greifen. Es gibt aber auch positive Ausnahmen.

Zum ersten Mal mit einer Kurzgeschichte Geld verdient habe ich, als ein Regio-Krimi-Verlag eine Mannheimer Krimi-Anthologie zusammengestellt hat. In dem Buch waren glaube ich 28 Autoren vertreten, dennoch waren die Verkaufszahlen so gut, dass am Ende für jeden Autor etwas Geld übrigblieb. Ich hatte mir viel Zeit für das Schreiben meiner Geschichte genommen, aber wenn ich schneller geschrieben hätte, dann hätte auch ein akzeptabler Stundenlohn dabei herauskommen können 😉

Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass gerade Anthologien mit regionalem Bezug sich sehr gut verkaufen. Hier ist es die Liebe zur Stadt oder der Region, die die Leser zum verkaufen verleitet – und etwaige Vorurteile gegenüber Kurzgeschichten in den Hintergrund rückt.


cash advance 180 reviews Wettbewerbe

Das zweite Mal habe ich bei einem Literatur-Wettbewerb einen dreiseitigen Text zu Geld gemacht. Der Mannheimer Heinrich-Vetter-Literaturpreis ist hoch dotiert. Selbst als zweiter Sieger habe ich 2010 noch 2.000 Euro erhalten. So viel Zeilenhonorar habe ich niemals wieder verdient!

Das Problem mit Wettbewerben ist, dass es nicht viele gibt, die hoch dotiert sind. Und diese verfolgen in der Regel einen hohen literarischen Anspruch. Unterhaltungsliteratur ist hier nicht unbedingt gern gesehen. Aber auch ohne verlockende Geldpreise: Der Gewinn eines Literaturpreises ist immer ein Prestigezuwachs, den man gut für die Autoren-PR einsetzen kann.

trading opzioni binarie cosa sono Kurzgeschichten als eBook zusammenstellen

Natürlich kann man auch die eigenen Stories aus der Schublade zusammensuchen und eine eigene Sammlung als eBook (oder über CreateSpace auch als gedrucktes Werk) veröffentlichen. Denkbar ist auch gemeinsam mit einem zweiten Autor ein eBook mit Stories zu einem bestimmten Thema zu kompilieren. Oder eine Anthologie mit mehreren Kollegen zu initiieren (in beiden Fällen stellt sich die Frage, wie man das als Selbstverleger am besten abrechnet). Oder sogar einzelne Geschichten als Mini-eBooks veröffentlichen (hier stellt sich das Problem nach dem passenden Preis – über kdp wäre der niedrigste 0,89 €, über einen Distributor wie neobooks gingen auch 0,49 €).

Was haben wir in den Zitaten über die Fehler von Anthologien gelernt? Zu viele Autoren schrecken ab, man hat keine Zeit sich mit den Figuren vertraut zu machen, und die Klappentexte sind nicht eindeutig … Da haben wir schon einige Punkte, an denen wir ansetzen könnten. Dementsprechend müssten Sammlungen am erfolgversprechendsten sein, in denen in jeder Geschichte dieselben Hauptfiguren vorkommen, die nur von einem Autor verfasst wurden und die ein klares Thema haben, das in Titel und Klappentext deutlich wird. Die Bestseller von Wladimir Kaminer und Ephraim Kishon funktionieren nach diesem Prinzip.

Ich habe mich auch mit zwei Kurzgeschichten-Sammlungen bei Amazon versucht, von der vor allem die erste einigermaßen erfolgreich war, bei der zweiten waren die Verkaufszahlen dann schon deutlich niedriger. Wirklich gute Kritiken haben beide nicht erhalten. Ich habe zwar nur Texte zusammengestellt, die von einem Ich-Erzähler geschrieben sind, der dem echten Daniel Morawek sehr nahe kommt. Allerdings ist die rote Linie in der Handlung tatsächlich nicht wirklich zu erkennen. Ich kann es den Lesern also nicht verdenken, dass sie zum Teil etwas irritiert waren.

Das bedeutet aber nicht, dass Kurzgeschichten bei Amazon grundsätzlich nicht laufen würden. In der kindle-Kategorie „Kurzgeschichten & Anthologien“ steht die derzeitige Nummer 1 auf Platz 89 der Gesamtcharts. Platz 100 erreicht allerdings nur noch Platz 12.500 der Gesamtwertung.

Der Autor
Daniel Morawek, Jahrgang 1981, lebt bei Mannheim und arbeitet als freischaffender Drehbuchautor, Filmemacher und Schriftsteller.
  • Andreas Urstadt

    Beispiele aeusserst erfolgreicher Kurzgeschichtensammlungen:

    Klassisch: Edgar Allen Poe, Maerchensammlungen (der Leser weiss natuerlich was kommt), etc

    Neuer:
    Tama Janowitz: Grossstadtsklaven

    Miranda July

    Judith Hermann etc

    Woody Allen

    Also Auflagensmashs

    Wenn das Publikum das Wichtigste ist, werden short stories auch verkauft. Keiner der genannten Autoren nahm SICH wichtiger als das Publikum.

    Keiner der genannten Autoren nahm den Literaturbetrieb wichtig, bei allen Genannten zaehlte das Publikum. Judith Hermann wollte sogar aufhoeren (Geld zaehlte nicht).

    Miranda July s short stories wurden von New York Times als eines der Buecher des Jahres gehypt.

    Man koennte sogar muehelos Franz Hohler dazu stellen.

    (je wichtiger Hemingway seine Befindlichkeiten nahm, desto schlechter wurden die short stories)

    Der Leser sollte im Mittelpunkt stehen, das andre und Verkaufsraenge eher unwichtig, glueckliche Leser wichtiger. Die ziemlich in Anspruch nehmen koennen.

    Jo Lendle bspw sieht die Selbstverleger zukuenftig als grosse Konkurrenz.

    Ein Prof der ETH Zuerich, und ich uebertrag s einfach auf den Unternehmer Autor, sagt, es ist ein unternehmerischer Anfaengerfehler zu glauben, man transformiere in jedem Fall das Umfeld und das Umfeld usw werde dann schon kommen. Er nennt das Anfaengerselbstueberschaetzung und betont, das gelte auch bei guter Arbeit, guten Konzepten und guten Inhalten. Heisst also, Gutes wird nicht automatisch belohnt.

    Mit dem Umfeld gehen ist dann bspw eine RegioAnthologie, schraenkt aber gleichzeitig transregionales Interesse ein.

    Sherwood Anderson oder Woody Allen schafften das Regionale auf ein Hyperlevel zu bringen.

    Mannheim hat dieselbe Chance. Im Prinzip hast Du ALLE Moeglichkeiten.

  • Daniel

    Stimmt schon, dass Woody Allen das Regionale weltweit vertreibt. Allerdings ist Manhattan von Natur aus bekannter als Mannheim 😉 Trotzdem werde ich auch wieder was zum Thema Mannheim schreiben, genau genommen habe ich schon etwas in der Schublade. Mal sehen, wie das läuft …

    Womit Du auch Recht hast: Autoren dürfen sich und ihre Werke nicht zu wichtig nehmen. Stattdessen muss man die Leser ernst nehmen, sonst verkauft man nichts. Das gilt aber nicht nur für Kurzgeschichten.

  • A. Werner

    Der Beitrag war sehr hilfreich, da er mir die Problematik eines Kurzgeschichtenbandes vor Augen geführt hat.
    Die Aussagen der Zitate haben auch ihre Berechtigung, doch muss ich dazu sagen, dass ein Kurzgeschichtenband nicht unbedingt den gleichen Protagonisten in jeder seiner Geschichten beherbergen muss, um einen „roten Faden“ aufzuweisen. Natürlich ist das auch eine sehr gute Möglichkeit, dem Leser mehr zu geben, im Sinne von seinen Wissensdurst um das Weiterkommen des Hauptcharakters zu stillen. Ich denke aber, dass eine gute Kurzgeschichtensammlung auch eine solide Einheit bilden kann, wenn sie zwar mehrere verschiedene Protagonisten beinhaltet, aber dennoch inhaltlich auf ähnliche Probleme eingeht oder Themen behandelt, die sich ergänzen.
    Auf jeden Fall bin ich auch der Meinung, dass Anthologien mit mehreren Autoren und auch noch verschiedenartigen Geschichten kein wirkliches Aufsehen erregen können.

  • C.Gräfin von Lusi

    Es ist richtig, der Leser ist wichtig. Aber ALLES unter diesem Motto zu schreiben
    Nein Danke – ich schreibe die Wahrheit wie ich sie empfinde,-Kurzgeschichten
    liebe ich,- wird es länger (ohne) Spannung. schlafe ich ein, da ich meistens
    Nachts im Bett lese. Der Leser muss auch etwas denken müssen, es ist wie bei der
    Betrachtung eines Bildes, – jeder empfindet es anders. Hinzu kommt, daß es auch
    am Jahrgang liegt, wie bei einem gutem Wein, – je älter um so reifer und voller
    der Geschmack. Natürlich nicht zu alt, sonst kippt er.

  • Astrid Bogen

    Wo kann ich meine kurze Story schreiben?

  • Cecilia

    Nach zwei Büchern mache ich mich nun an eine Kurzgeschichte. Die Infos hier waren wirklich hilfreich, danke vielmals.

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