Nachbericht: Das Kindle-Fotobuch-Experiment

Über mein Kindle-Fotobuch-Experiment »ISTANBUL – Schönheit des Zerfalls« habe ich bereits berichtet. Nun stellt sich die Frage, was aus dem eBook geworden ist und wie es angenommen wurde. Eins vorneweg: Das Ergebnis war bisher eher durchwachsen. Aber es gibt Möglichkeiten zur Optimierung für die Zukunft.

Probleme mit der passenden Werbung und dem Preis

Die erste Schwierigkeit begann bei der Bewerbung des eBooks. Ich glaube, dass jeder Titel zum Verkaufsstart bei Amazon auf irgendeine Form beworben werden sollte. Ein starker Verkaufsstart hilft, um in Amazons-Empfehlungssystem aufzusteigen (»Kunden die dieses Buch kauften, kauften auch …«, »Aufsteiger des Tages«, etc.). Meinen ursprünglichen Plan, das Buch zum Einstiegspreis von 0,99 € anzubieten, musste ich aufgeben, da das Buch über 10 MB groß ist. Das bedeutet, dass es für mindestens 2,99 € verkauft werden muss. Ich wollte aber beim Endpreis nicht über 2,99 € gehen, weil ich die Käufer bei dem unbekannten Format »Kindle-Fotobuch« mit einem niedrigen Einstiegspreis locken wollte.

Im Nachhinein betrachtet war das vielleicht der erste Fehler. Bei einem normalen Verkaufspreis von 3,99 € oder 4,99 € hätte ich 2,99 € als Aktionspreis anbieten können. Stattdessen habe ich das Buch für ein paar Tage kostenlos angeboten. Mit den Verschenkaktionen ist das ja so eine Sache. Einen wirklichen Nutzen hat man eigentlich nur bei Büchern aus Top-Genres und es besteht immer die Gefahr schlechte Rezensionen einzusammeln (von Lesern, die ein eBook laden, selbst wenn sie sich nicht für das Thema interessieren). Auch hält der positive Effekt im Beliebtheitsranking nur 30 Tage an.

Zum Glück gab es recht flott mehrere positive Rezensionen (das Buch war schließlich schnell durchzulesen), dann folgte allerdings eine sehr negative. Das ist im Durchschnitt noch zu verkraften, wenn auch die Unterstellungen des Rezensenten (Geldmacherei, Freundschaftsbewertungen …) gleich in die Vollen gehen.

Nach der Kostenlos-Phase erreichte das Buch gute Platzierungen in den Kategorien »Fotografie« und »Reiseführer« und verkaufte zwei bis drei Exemplare pro Tag. Das wäre ein Erfolg, wenn das eBook sich zum Longseller entwickelt hätte. Dann wären die Unkosten (ja, ich berechne hier auch die Arbeitszeit, die ich investiert habe) nach ein paar Monaten drin gewesen. Aber natürlich war pünktlich nach 30 Tagen Schluss mit den guten Verkäufen und das Buch ist stark abgefallen. Dabei erscheint es immer noch bei den ersten Suchergebnissen, wenn man im Kindle-Store nach »Istanbul« sucht. Menschen die gezielt nach einem eBook über die Bosporos-Metropole suchen, werden also darauf hingewiesen. Kaufen tut es dennoch fast niemand – was man als Indiz deuten könnte, dass die Zeit für ein eBook-Reise-Bildband noch nicht reif ist.

Zwielichtige Gesellschaft und die richtige Formatierung

Man sagt ja gemeinhin, dass ein neues Medium erst dann den Durchbruch schafft, wenn die Porno-Industrie es für sich entdeckt. Bei Fotobüchern für den Kindle könnte das der Fall sein. Die Gesellschaft an der Spitze der Fotografie-Charts war für den Istanbul-Bildband jedenfalls recht zwielichtig. Zu Beginn stand das Buch in den Top 20 zwischen einem Haufen Porno-Bildbänden, die zu allem Überfluss auch noch schlecht gemacht waren. Mittlerweile haben Foto-Lehrbücher die ersten Plätze in den kindle-Fotografie-Charts erobert, aber auch an den Schmuddel-eBooks mangelt es weiterhin nicht.

Positives gibt es bei der Annahme der Fotos auf dem Kindle bei den Lesern zu berichten. Trotz der offenkundigen Beschränkungen die sich für die Fotowiedergabe auf eBook-Readern ergeben, gab es sehr viel positive Resonanz. Bemängelt wurde lediglich, dass ich die Bildunterschriften nicht in die Fotodateien eingebunden habe, und die Texte auf dem Kindle so auf der nächsten Seite angezeigt wurden. Ich fand diese Aufteilung besser, weil ich die Fotos so groß wie möglich auf den Kindle-Monitoren darstellen wollte. Aber in Zukunft werde ich diesen Hinweis beherzigen.

Fazit

Fotobücher für den Kindle zu produzieren ist möglich. Käufer zu erreichen ist aber noch schwierig (außer man liefert billig produzierte Nacktbild-Sammlungen). Dennoch sehe ich für die Zukunft Potential für dieses Medium. Ich plane auch bereits mit einem befreundeten Autor und einem Fotografen ein neues Projekt, bei dem wir noch mal etwas ganz anderes ausprobieren wollen. Es bleibt also spannend.

Showing 2 comments
  • Irene

    Vor allem bräuchte man ein Tablet – in Deutschland kaufen vorwiegend Kindle-Besitzer im Kindle-Shop ein.

    Man sagt ja gemeinhin, dass ein neues Medium erst dann den Durchbruch schafft, wenn die Porno-Industrie es für sich entdeckt.

    Kannst ja mal den KDP-Privatier fragen, was aus seinen großen Plänen geworden ist 😉

    https://kdp.amazon.com/community/message.jspa?messageID=356572

  • Daniel

    So, so … ein Privatier 😉 Der wollte wohl Bilder vom Geschlechtsakt zeigen. Das dürfte für Amazon dann tatsächlich zu viel sein. Ansonsten staunt man, wie zeigefreudig schon so manches Cover der Schmuddel-eBooks ist …

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