Leseprobe: „Sex On The Beach – Kinderwunsch und andere Katastrophen“

Ein Auszug aus meinem neuen Kurzroman Sex On The Beach – Kinderwunsch und andere Katastrophen. Und darum geht es: Marco ist seit sieben Jahren mit Sandra verheiratet, doch ihr gemeinsamer Kinderwunsch ist bis heute unerfüllt. Jetzt soll eine Last-Minute-Reise auf die Malediven die Lösung bringen. Wenn sie sich richtig entspannen können, klappt es vielleicht endlich mit der Schwangerschaft, hofft seine Frau.Womit keiner von beiden gerechnet hat: Zwischen Zykluskalender-getimten-Sex und Pilates-Training prickelt es bei Marco selbst auf der Liebesinsel nicht so richtig. Bis er die junge Barfrau Adelina kennenlernt …

2. WILLKOMMEN IM CLUB
(Acht Tage bis zum besten Sex meines Lebens)

„Oh, Scheiße!“ Sandra hält inne und starrt mit aufgerissen Augen an die Decke.
„Was ist denn, Liebes?“ Ich verharre in der Bewegung und richte mich etwas auf.
„Ich glaube, ich hab vergessen den Abwesenheitsassistenten in meinem E-Mail-Postfach einzuschalten. Ich muss Sigrid anrufen! Weißt du, wie spät es jetzt in Deutschland ist?“
„Nicht jetzt“, murmele ich und versuche wieder in den Rhythmus zu kommen. „Nachher, Liebes.“
„Ich muss es mir nur schnell aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.“

Ich liege neben ihr, meine nackten Hüften an ihren nackten Hintern gepresst in der Löffel-Position. Wie ein Duracell-Hase auf XTC erhöhe ich die Stoßfrequenz. Doch bei Sandra regt sich nichts. Sie liegt immer noch angespannt neben mir und bewegt kein Körperteil. Mal abgesehen von ihrer rechter Hand, mit der sie sich jetzt nachdenklich das Kinn reibt.

„In Deutschland ist es sieben Stunden früher als hier. Wie spät ist es jetzt? Vielleicht ist Sigrid noch im Büro.“

Ich verstehe nicht, wie jemand beim Sex so viel reden kann. Ihre Stimme ist ganz ruhig, kein bisschen Erregung schwingt darin mit. Ich hingegen fange an zu schnaufen. Weniger vor Erregung, als vor Anstrengung. Aus allen Poren tropft der Schweiß. Die Werbefuzzis, die die Broschüre für die Clubanlage geschrieben haben, hatten recht: Auf den Malediven ist es auch im Frühling affenstark heiß.

Ich gebe nicht auf mit meinen Verrenkungen, bis Sandra fragt: „Kannst du bitte auf die Uhr sehen?“

„Hör mal, das hier war deine Idee.“ Ich gleite aus ihr heraus und drehe mich zur Seite.

„Ich weiß. Sorry. Aber so schnell kann ich nicht abschalten. Ich muss erst hier ankommen.“

Als wäre der 12-Stunden-Flug und die dreistündige Überfahrt vom Flughafen zu der kleinen Club-Insel nicht lang genug gewesen, um sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Urlaub begonnen hat. Ich hatte auf der Fahrt im Speedboot, eingeklemmt zwischen einem Rentnerpaar aus Gütersloh und einem Versicherungsvertreter aus Erfurt, genug Zeit zu realisieren, dass ich im Pauschal-Touristen-Wunderland angekommen bin. Die Rentner, Trude und Ottfried, haben bei jeder vorbeiziehenden Insel „Oh!“ und „Ah!“ gerufen, und „sowas gibt’s bei uns in Deutschland aber nicht!“ und wollten beharrlich, dass ich sie mit ihrer Aldi-Digikamera vor „der herrlichen Kulisse!“ fotografiere. Die beiden haben sich bei einem Dating-Portal für Senioren kennengelernt und kleben die ganze Zeit aneinander wie zwei verliebte Teenager.

Der Versicherungsvertreter, Dieter, ist vor ein paar Tagen von seiner Freundin verlassen worden und hatte die Reise eigentlich zusammen mit ihr geplant. Jetzt ist er alleine gefahren, „schließlich war ja alles schon bezahlt.“ Nun erzählt er seinen Mitreisenden, egal ob sie es hören wollen oder nicht, pausenlos von seiner Ex und schreckt auch nicht davor zurück, in aller Öffentlichkeit zu weinen.

Sandra und ich sind eigentlich gar keine Cluburlauber. Unseren gemeinsamen Urlaub verbringen wir seit sieben Jahren, seit unserer Hochzeit, mit Städtereisen. Individuell geplant, und im Herbst, wenn die Touristenfamilien wieder zuhause sind. New York haben wir schon gemeinsam besucht, Madrid, Wien, Prag, London und Paris natürlich.

Dieses Jahr läuft alles anders. Der Grund dafür ist verzwickt: Seit drei Jahren verhüten wir nicht mehr, aber ein Kind zu zeugen, das haben wir bisher nicht geschafft. Sandra war bei einem Dutzend Gynäkologen, um herauszufinden, woran es liegen könnte. Als die Ärzte bei ihr nichts entdeckten, musste ich von Urologe zu Urologe tingeln. Ebenfalls ohne Erfolg. Der Rat von Sandras neuster Gynäkologin: „Lassen Sie es doch mal etwas ruhiger angehen. Sie setzen sich zu sehr unter Druck. Gönnen Sie sich einen schönen Urlaub, kommen Sie auf andere Gedanken. Vielleicht kommt der Rest dann von ganz alleine.“

Sandra hat keine Zeit verstreichen lassen. Sie ist aus der Arztpraxis raus, ins nächste Reisebüro rein, und hat sich eine Last-Minute-Reise ans Meer ausgesucht, die zeitlich mit ihren fruchtbaren Tagen korrespondiert.

„Das ist perfekt“, rief sie, und hielt mir ihren Zykluskalender unter die Nase. „Wenn wir in drei Tagen fliegen, haben wir mit ziemlicher Sicherheit acht bis neun Tage vor Ort, um uns zu entspannen. Dann ist der richtige Zeitpunkt für eine Befruchtung, und danach haben wir noch etwa drei Tage, um am Strand zu liegen.“

„Aber wir machen doch nie Urlaub am Strand. Nach drei Tagen werden wir uns zu Tode langweilen.“

„Ach, komm.“ Sie blickte mich mit ihrem entwaffnenden Kleines-Mädchen-Lächeln an. „Lass uns doch mal was Neues ausprobieren.“

Jetzt liegen wir nackt nebeneinander auf der Matratze in unserem Bungalow in einer Vier-Sterne-Clubanlage auf den Malediven und starren die Decke an. Nur mein Schwanz steht nicht mehr. Der hat sich erstaunlich schnell wieder hingelegt, nachdem der Erste-Nacht-Im-Urlaub-Sex abgebrochen wurde. Und wäre das nicht schlimm genug, sind die Rentner im Bungalow neben uns untergebracht. Wahrscheinlich laufe ich denen jeden Tag fünf mal über den Weg.

„Tut mir leid“, sagt Sandra. „Wir holen das nach.“

„Klar.“

„Aber ich kann dir ja ein bisschen an deinem Türmchen spielen.“

Im Laufe von sieben Ehejahren schleichen sich die erstaunlichsten Kosenamen in einer Beziehung ein. Auch niedliche Umschreibungen für anatomische Begriffe wie Penis.

„Ist schon okay. Schlaf einfach. Morgen ist auch noch ein Tag.“

„Es ist nicht okay.“ Jetzt setzt Sandra sich auf und sieht mich an. „Ich hab es dir doch erklärt, es ist wichtig, dass du, na ja —“ Sie tut sich schwer, es auszusprechen. Für das Wort Ejakulieren wurde bisher noch kein niedlicher Ersatz gefunden.

„Klar“, sage ich.

Darum geht das alles hier. Wie blöd von mir zu glauben, dass sie sich vorhin auf mich stürzte, weil sie heiß auf mich war. Es ging nur ums Ejakulieren.

Das Familienministerium redet die ganze Zeit davon, dass alle Deutschen eineinhalb Kinder bekommen müssen. Wenn die wüssten, wie schwer das ist. Die Politiker debattieren endlos darüber, ob das Elterngeld die kinderlose Misere retten kann oder ob hingegen sogar das Elterngeld schuld an allem sei. Stattdessen sollten sie mal an dem Seminar Kontrollierte Spermaentwicklung für Kinderwünschler teilnehmen. Da hätten sie mehr davon.

„Ich habe auf der Bootsfahrt noch mal nachgerechnet“, sagt Sandra. „Wenn wir in acht Tagen eine Befruchtung durchführen, dann müssen wir vorher alle zwei Tage miteinander schlafen, um die Spermaqualität zu erhöhen.“

„Schon klar“, sage ich, verschränke die Arme hinter dem Kopf und schließe die Augen. „Dann mach halt.“

In diesem Moment setzt lautes Gepolter auf der anderen Seite unserer Schlafzimmerwand ein. Und das Quietschen von Bettfedern. Ich will gerade noch sagen: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein“, aber da höre ich schon Trude und Ottfried abwechselnd „Ah!“ und „Oh!“ schreien.
Sandra kichert nur und hält sich die Hand vor den Mund.

Dann drückt sie mir einen Kuss auf die Stirn und sagt: „Also dann. Geht gleich los. Ich muss nur noch eben Sigrid anrufen.“

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