3 Ideen zur Vermarktung von CreateSpace-Büchern

Amazons CreateSpace macht es möglich: Viele Selbstverleger, die zuvor schon eBooks veröffentlicht haben, halten dieser Tage ihre ersten gedruckten Bücher in der Hand. Doch was nun? Nur weil Amazon das Print-Buch als „Auf Lager“ führt, verkauft es sich nicht automatisch. Für kindle-Selbstverleger bietet Amazon Möglichkeiten zur Selbstvermarktung (über deren Sinn und Unsinn auch viel diskutiert wird) – seien es nun „kostenlos-Aktionen“ oder die Möglichkeit sich durch einen günstigen Verkaufspreis einen Marktvorteil gegenüber Verlagsveröffentlichungen zu verschaffen. Bei gedruckten Büchern ist das natürlich anders. Was also stattdessen tun? Drei Bücher habe ich bisher über CreateSpace veröffentlicht, bei jedem habe ich eine andere Marketingmethode schwerpunktmäßig angewandt.

1. Das Print-Buch mit dem eBook „mitlaufen“ lassen

Der ein oder andere wird sich vielleicht fragen, ob das wirklich ein ernst gemeinter Tipp ist. Meine Erfahrung zeigt: Wenn es bereits ein erfolgreiches eBook gibt, kann es ausreichen, das Print-Buch einfach nur zur Verfügung zu stellen. Dann sehen Leser, die auf das eBook stoßen, aber keinen Reader besitzen, dass es auch eine gedruckte Version gibt.
Erfolg hatte ich bei dieser Taktik mit „Wald“ (Amazon-Partnerlink), einem eBook, das ich unter meinem Pseudonym für historische Romane „Mike Wächter“ herausgebracht habe. Als ich die Print-Version (Amazon-Partnerlink) nachlegte, lief das Buch gerade sehr erfolgreich. Immer dann, wenn es das eBook unter die Top20-Liste der „Historischen Romane“ schaffte – also nicht in der eBook-Rangliste, sondern in der Gesamtliste für gedruckte und elektronische Bücher – dann gab es auch Verkäufe beim Print-Buch.
Der „Wald“ ist allgemein ein ziemlich durchgeknalltes Buch. Zwei Ritter ziehen in dunkle Wälder, um einen Drachen zu jagen und verfallen dem Wahnsinn. Durchschnittliche Historienkost sieht anders aus. Dass das Buch polarisiert, sieht man auch bei den Amazon-Rezensionen, einstimmigeres Lob erhält die Leseprobe des Romans bei neobooks.
Man darf sich natürlich keinen Illusionen hingeben: Wenn das Print-Buch als Nebenprodukt zum eBook mitläuft, dann verkauft es sich in viel geringerer Anzahl.

2. Rezensionsexemplare verschicken

Mag sein, dass man auch Rezensionsexemplare von eBooks verschicken kann. An einen auf eBooks spezialisierten Literatur-Blog zum Beispiel. Aber fragt mal bei eurer Tageszeitung vor Ort an, ob ihr das Rezensionsexemplar zu eurem neuen Buch lieber als epub oder mobi schicken sollt!
Klar ist: Mit gedruckten Büchern ergeben sich, im Gegensatz zu elektronischen Büchern, ganz neue Möglichkeiten im Bereich der Pressearbeit. Aber eine Rezension in etablierten Medien zu erhalten, ist nicht einfach. Der unbekannte Autor macht es sich hier erheblich leichter, wenn er ein Buch mit einem griffigen Aufhänger geschrieben hat. Ein interessantes Thema, das er einer Redaktion in wenigen Sätzen schmackhaft machen kann. „Jungfrau (männlich), gläubig, sucht“ ist so ein Buch. Es geht um Sex (nie verkehrt!), genauer gesagt um einen jungen Christen aus einem strengreligösen Umfeld, der im Spannungsfeld zwischen Enthaltsamkeitslehre und moderner Welt lebt. Jugendliche und Sexualität, evangelikale Christen im allgemeinen und die Frage, ob das Überangebot und die permanente Verfügbarkeit von Pornographie die Jugend verroht – das sind alles Themen, die auch in der Presse stattfinden. Vor allem natürlich in der christlichen Fachpresse. Es ist von Vorteil eine passende Nischenpresse zu finden, denn bei einer möglichst spezifischen Ansprache, erhöht sich die Anzahl der Rückmeldungen. Die Rückmeldequote von Medien, auf meine Anfrage ein Rezensionsexemplar schicken zu dürfen, ist bei „Jungfrau (männlich), gläubig, sucht“ tatsächlich sehr hoch.
Meine Vorgehensweise ist Folgende: Ich schreibe die Redaktion oder einen Ressortleiter per eMail an, stelle das Projekt in ein paar Sätzen vor und frage, ob ich ein Exemplar zusenden darf. Unaufgefordert Bücher bei Redaktionen einschicken, davon hat niemand etwas: Bei den Redakteuren stapeln sich die Bücher auf dem Schreibtisch, die sie doch nicht alle lesen können, und der Autor gibt unnötig Geld aus. Besser ist es sich zu überlegen, was für Themen im eigenen Buch stecken, die für ein bestimmtes Presseorgan interessant sein könnten und diese interessante Thematik im Anschreiben herausarbeiten.
Das muss nicht wie in meinem Fall eine Geschichte über sexuelle Probleme junger Christen sein. Wer einen Krimi über die Wirtschaftskrise geschrieben hat, der greift ein aktuelles Thema auf. Ebenso beim Coming-Of-Age-Roman über das Platzen der ersten Internet-Blase, der drei Generationen umspannende Familienroman, der die DDR erklärt, oder der historischen Roman, in dem eine wenig bekannte wahre Geschichte wieder ausgegraben wird, die man wunderbar in der Wochenendausgabe aufgreifen kann.
Ich rate davon ab, sich beim Schreiben nur Gedanken zu machen, was sich später gut verkaufen wird, weil es dafür einen Markt geben könnte. Autoren schneiden wichtige Themen an, oft auch unbewusst. Diese gilt es selbst zu erkennen, wenn man sich richtig vermarkten will.
Natürlich ist es auch immer möglich, die regionalen Medien am Wohnort anzuschreiben: Autor aus der Stadt, in der die Regionalzeitung erscheint – auch das reicht meist schon aus als Thema. Und dann kommt mit einem CreateSpace-Buch noch ein ganz neues Thema hinzu, das für die Presse interessant sein kann: Nämlich die Tatsache, dass es ein CreateSpace-Buch ist. Gerade die Lokal-Presse (und das heißt nicht nur Tageszeitungen – es gibt noch Stadtteil-Blätter, Stadtmagazine, lokale Fernseh- und Radiostationen etc.) freut sich, wenn sie einen aktuellen Trend anhand eines Menschen erklären kann, der im Einzugsgebiet wohnt. Als beispielsweise die ersten Crowdfunding-Projekte in Deutschland finanziert wurden, wurde eine Filmemacherin aus Mannheim mit ihrem Projekt in einer Vielzahl von lokalen Medien präsentiert. Für kindle direct publishing wurde Johnny Haeusler zu einem der am meisten zitierten Erfahrungsberichtslieferanten in der nationalen Presse. Für CreateSpace-Erfahrungsberichte ist diese Stelle in der deutschen Medienwelt noch zu besetzen …

3. Lesungen? Lesungen!

Natürlich, werden wieder einige sagen, dass man auch mit eBooks Lesungen veranstalten kann. Klar: Viele Autoren lesen ihre Texte sogar von losen Blättern ab, weil sie das praktischer finden, als ein gedrucktes Buch in der Hand zu halten. Das darf auch gerne so bleiben. Aber eBooks kann man eben nicht vor Ort verkaufen und vor allem – nicht signieren. Auch wenn es schon einen Dienst gibt, der pdf-Dateien mit Autorenunterschriften direkt auf kindle-Reader schickt – das ist nicht dasselbe.
Wenn man einmal das Interesse der potentiellen Käufer geweckt hat, muss man den Sack auch zumachen. Selbst wenn die Zuhörer bei einer Lesung so angetan sind, dass sie sich vor Ort entschließen „in den nächsten Tagen das eBook auf jeden Fall zu kaufen“, man unterschätzt, wie weit der Weg zum heimischen PC werden kann, wie viele Ablenkungen es bis dorthin gibt und wie schnell Kaufinteresse abebbt. „Kommissar Müller greift nach den Sternen“ (Amazon-Partnerlink) ist ein Kurzkrimi, den ich eigens in „Leselänge“ geschrieben habe, um das Aktionsbündnis für den Erhalt der Alten Sternwarte in Mannheim mit Events zu unterstützen. Man sollte meinen, dass die Zuhörer einer Lesung, nachdem sie gerade die kompletten 46 Seiten einer Geschichte gehört haben (und wissen, wer der Mörder war) kein großes Interesse haben, auch noch das Büchlein zu kaufen. Weit gefehlt: Letzte Woche hatte ich die erste Lesung aus dem Buch, nachdem es das Buch gedruckt gab – direkt am Tatort der Handlung. Die Leute haben mir die Bücher quasi aus der Hand gerissen. Denn:

1) Wann hat man schon mal die Gelegenheit sich ein Buch vom Autor signieren zu lassen
2) Bücher sind tolle Geschenke – vor allem signierte

In der Vorweihnachtszeit bin ich bei Lesungen auch schon mal ganz frech und weise die Besucher darauf hin, dass gerade ihr Glückstag sei, weil Bücher ganz großartig zu verschenken sind und wenn sie heute Abend ordentlich zugreifen, dann ersparen sie sich viel Stress, den sie sonst beim Geschenkekauf auf den letzten Drücker haben. Und – es wirkt.

Wer noch kein eigenes CreateSpace-Buch erstellt hat, kann übrigens in meinem eBook-Ratgeber zum Thema nachlesen:

Viel Erfolg!

Showing 12 comments
  • Manfred Meinig

    Hallo,
    mein Sohn hat selbstständig ein Buch geschrieben und dieses liegt fertig gedruckt vor. Bisher wurde das Buch über Internet Aktionen verkauft. Er möchte dieses Buch jetzt bei Amazon mit vertreiben lassen. Ist das eigentlich einfach zu handhaben oder gibt es Alternativen.
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Meinig

  • Daniel Morawek

    Nun, wenn das Buch bereits gedruckt vorliegt, kann man es als „Drittanbieter“ bei Amazon einstellen. Allerdings müssen Käufer dann Portokosten zahlen, wie bei Angeboten von Drittanbietern üblich – bei Büchern die „richtig“ bei Amazon angeboten werden allerdings nicht. Sich richtig als gewerblicher Verkäufer bei Amazon anzumelden ist sicherlich zu aufwending. Neben der Gewerbeanmeldung kommen hier auch Kosten bei Amazon hinzu.

    Eine Alternative ist CreateSpace: Solange alle Verwertungsrechte am Buch noch bei Ihrem Sohn liegen, kann er relativ einfach auch eine eigene CreateSpace-Edition des Buches erstellen. Dann wird das Buch direkt über Amazon als Print-On-Demand-Titel vertrieben und nur dann gedruckt, wenn ein Exemplar bei Amazon bestellt wird. Das ist ja der Vorteil von Amazons CreateSpace im Gegensatz zu manch anderem bekannten Print-On-Demand-Anbieter – man gibt keine Rechte am Buch ab.

    Die Frage ist dann natürlich, was Ihr Sohn mit den bereits gedruckten Exemplaren machen würde …

  • Micha

    Hallo Daniel,
    habe eben meinen Roman auf CreateSpace hochgeladen. Während ich auf das O.K warte, habe ich mir Gedanken zu Exemplaren für Lesungen gemacht. Hast Du einen Tipp für mich, wie ich die Bücher für die Lesungen bei Amazon kaufen soll? Geht das über die „Exemplare für den Autor“ (über USA)? Oder soll ich die Bücher (ca 30 Stück?)wie jeder, über Amazon Europa bestellen? Wie gestalte ich den Preis? Da müsste ich ja etwas aufschlagen. Vor allem, wenn ich es auch in einem Laden anbieten möchte.
    Mit lieben Grüßen
    Micha

  • Daniel

    Ja, das ist eine komplizierte Frage. Auf den Preis kannst du wegen der Buchpreisbindung eigentlich nichts aufschlagen. Die US-Exemplare sind eine Lösung, die ich auch schon genutzt habe. Wenn du direkt bei Amazon Deutschland bestellst, bekommst du natürlich auch deine Tantieme von Amazon – insofern könntest du schon einen Gewinn machen-, du müsstest dafür aber auch alle Bücher weiter verkaufen, um nicht drauf zu zahlen …

  • Micha Wölfer

    Danke, Daniel, für deine Antwort!
    Habe mal ein Probe-Exemplar in USA bestellt … der reine Luxus: mit Priority. Aber ich staunte nicht schlecht, als ich es 2,5 Tage später in Händen hielt! Also: gedruckt und über die halbe Welt nach Wien geflogen – in dieser kurzen Zeit! Cover: sehr gut! Innenleben auch super! Bin gespannt, wie das Exemplar aus Leipzig aussieht.
    Liebe Grüße
    Micha

  • Micha Wölfer

    Hallo Daniel,
    nun habe ich auch das Exemplar aus Leipzig bekommen. Musste leider feststellen, dass das Cover nicht so farbintensiv ist, wie das aus USA. Das Papier ist auch um eine Spur „flattriger“. Kann man das irgendwo reklamieren? Über USA wird es wenig Sinn machen, denke ich, und die Adresse der Druckerei in Leipzig ist nicht extra angeführt.

  • Daniel

    Das ist sonderbar, da es normalerweise umgekehrt ist. Also die deutsche Druckerei bekommt die Farben am besten hin und hat allgemein die höchsten Produktionsstandards. Die Qualität von Taschenbüchern ist in den USA ja grundsätzlich schlechter als in Deutschland.

    Aber wenn du sehr unzufrieden bist, kannst du natürlich versuchen, das zu reklamieren. Am besten das Kontaktformular bei AuthorCentral nutzen.

  • Micha Wölfer

    Hallo Daniel, danke für deinen Tipp! Sehr unzufrieden bin ich nicht. Es fällt auch nur auf, wenn man beide Exemplare nebeneinander liegen hat. Bin vielleicht etwas zu kritisch, weil ich bei allen meinen Arbeiten auf hohe Qualität bedacht bin. Aber im Großen und Ganzen ist CS sehr in Ordnung. Die Papierqualität – meine ich – ist sogar besser als von Taschenbüchern aus manchen großen Verlagen.
    LG Micha

  • Tom

    > fragt mal bei eurer Tageszeitung vor Ort an, ob ihr das Rezensionsexemplar
    > zu eurem neuen Buch lieber als epub oder mobi schicken sollt!

    Danke dafür! Ich habe laut gelacht. 🙂

    Faszinierendes Buchblogger Feedback von der Leipziger Buchmesse 2015:
    „Besprecht Ihr auch Ebooks?“
    Betretene Blicke in der Runde der Buchblogger … „Da braucht man ein Gerät zum Lesen, oder?“

  • Daniel

    Tja … und dabei ist der Beitrag schon drei Jahre alt. Aber manche Dinge ändern sich wirklich nie.

  • Peter Mathys

    Auch ich gehöre seit dem Januar 2016 dazu, bei Create Space über Amazon meinen Kriminalroman: Ein böser Verdacht, Autor Peter Mathys, zu verkaufen.
    Gottseidank hat mir ein guter Nachbar, der selber einige Jahre in Amerika gelebt und gearbeitet hat, mir dabei beim Einliefern des Buchlayouts (in englischer Sprache) geholfen.
    Mit dem Ergebnis kann ich zufrieden sein, was die Druckqualität anbelangt.

    Erschrocken bin ich aber über den meiner Ansicht nach, viel zu hohen Verkaufspreis von Euro 14.–. Hätte mein Buch gern unter Euro 10.– gehabt.

    Meine bisherigen Versuche bei Create Space und Amazon den Buchverkaufspreis zu senken, gelangen bis dato nicht. Nicht einmal eine richtige Antwort kam zurück.

    Habt Ihr auch solche Erfahrungen aufzuweisen.

    Für einen guten Ratschlag bin ich froh und über: peter.mathys@gmx.net. erreichbar.

    Herzlichen Dank.

  • H.Rüsch

    Mal eine andere Frage, darf ich den Verkaufspreis für mein Buch bei Createspace kurzfrisitg reduzieren um mir Bücher für den Eigenbedarf zu bestellen?
    Oder fällt das auch unter das Preisbindungsgesetzt, ich bin doch quasi selbst der Verlag.
    Wäre dankbar für eine Antwort. Netten Gruß Hanne.

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