Filmkritik: Explosive Bombe
25. November 2006 • Hype
Gestern habe ich auf dem Filmfestival Mannheim-Heidelberg den dänischen Film »Spraengfarlig Bombe«, also auf gut Deutsch »Explosive Bombe«, gesehen! Yeah…
Die Handlung: Ein selbstverliebter, hochgelobter und weniggesehener Arthouse-Regisseur präsentiert seinen neuesten Film »Mörder«, den zweiten Teil einer Trilogie. Am nächsten Tag möchte der vielfluchende Arbeiter Tonny, der gerade auf Bewährung draußen ist, und der seine Kinder zum ersten Mal seit langem für fünf Stunden sehen darf, in Harry Potter 2 gehen. Leider bleibt das Auto auf dem Weg zum Kino stehen, die vorbestellten Karten sind verkauft und um die Kindern nicht zu enttäuschen kauft er Tickets für den einzigen Film für den es noch Karten gibt, »Mörder«. Auf dem Filmplakat steht immerhin der Film sei ein »Meisterwerk!«.
Er und die Kinder sitzen alleine im Kinosaal, und natürlich langweilen sie sich bei den gestelzten Dialogszenen zu Tode. Leider verspricht Tonny seiner Tochter, dass es gleich besser werden würde. Tatsächlich, ein kleiner Hund taucht auf der Leinwand auf, das Mädchen freut sich, doch da schreit auch schon die Hauptdarstellerin:
»Der Hund muss sterben! Er muss geschlachtet werden!«
Es folgt eine rituelle Szene, mit der der Regisseur irgendetwas Symbolisches ausdrücken wollte – aber das kann man der weinenden Ida selbstverständlich nicht erklären.
Tonny rennt brüllend zum Geschäftsführer und will sein Geld zurück, der verneint und Tonny zertrümmert die Filmdeko im Kino. Nachdem er aus der Verwahrungszelle rauskommt macht er sich auf die Suche nach dem Regisseur um sich sein Geld von ihm persönlich zurück zu holen. Während dieser Suche wird endgültig die explosive Sprengkraft des Films losgetreten, ein Film in dessen Verlauf es noch eine Menge toter Kunstwale, Sensenmänner, Berthold-Brecht-Zitate und selbstverständlich Explosionen zu entdecken gibt.
Tatsächlich habe ich auf dem Filmfestival zwei Tage zuvor einen Film gesehen, in dem es vor kryptischen Symbolszenen, teilweise auch blutigen Szenen, nur so gewimmelt hat. Und dieser Film war keine Satire, das war die Realität! Wie sagt der Regisseur von »Mörder« an einer Stelle:
»Das Wesen von Kunst ist es dem Publikum NICHT das zu geben was sie wollen!«
Also auch keine Erklärungen für obskure Symbole. Dann doch lieber eine liebevolle Parabel darüber, dass man sich im Kulturbetrieb – egal ob nun Film, Theater oder Literatur – als Künstler nicht immer zu ernst nehmen sollte. Ich persönlich fand außerdem, dass »Spraengfarlig Bombe« der witzigste Film über das Filmemachen ist, denn ich bisher gesehen habe. Eine gelungene Komödie, die man sich auf jeden Fall ansehen sollte, wenn sie in einem Kino in der Nähe läuft (unter welchem deutschen Verleihtitel auch immer).
Trailer (dänisch)
Bildnachweis: Quelle mannheim-filmfestival.com

